Gloria sorgt für neuen Glanz!
58. Ordensverleihung
«Wider den tierischen Ernst»

Montag, 21.01.2008

Aachen. Es sind die Frauen gewesen, die dem männerdominierten Aachener Karnevalsverein (AKV) wieder auf die Beine geholfen haben: Die sympathische, temperamentvolle und wortgewandte Fürstin Gloria von Thurn und Taxis eroberte die Herzen der rund 1400 Gäste im Schnelldurchgang und wurde am Ende der gelungenen Festsitzung zu Recht stürmisch gefeiert.

Kein Zweifel: Mit der 58. Ordensverleihung «Wider den tierischen Ernst» ist der AKV auf den Erfolgskurs zurückgekehrt.

Nach dem Desaster im Vorjahr mit der Verleihung an den - auch dieses Jahr als Laudator - nahezu humorfreien Air-Berlin-Chef Jürgen Hunold war die prominente Zukunft der altehrwürdigen Auszeichnung in akuter Gefahr. Dem neuen AKV-Präsidenten Horst Wollgarten saß der Erfolgsdruck im Nacken. Und der «Manager» hielt der Belastung stand, sorgte mit einem starken Team hinter den Kulissen für eine funktionierende Rundumerneuerung.

Dank des neuen Ideenlieferanten - dem in Aachen als Karnevalist bestens bekannten Uwe Brandt - kam das Öcher Lokalkolorit wieder mehr und besser zur Geltung. Auf der Märchenschloss ähnlich dekorierten Bühne verlieh Gitta Haller, die «Grande Dame» des Öcher Platt, der flotten Sitzung gemäß dem Motto «Adel verpflichtet» die bodenständige bürgerliche Note. «Angela Merkel bekommt den Karlspreis, die Hoheit den Orden und ich darf mit der Fürstin plaudern - das sind drei Frauen, die es zu etwas gebracht haben!» Tusch für die charmante Aachener Chansonette. Ihr gebührt voller Anerkennung die inoffizielle Auszeichung für die beste weibliche Nebenrolle.

In der gleichen Kategorie auf männlicher Seite hätte Saaldiener Jürgen Beckers den Preis verdient. Schon seine Begrüßung der Ordensträgerin - «Euer Durchlauferhitzer» - regte die Lachmuskeln der begeisterten Zuschauer zu Höchstleistungen an. Wie auch seine Vorstellung der Ritter. Zum Beispiel Hans-Dietrich Genscher: «Der hat den Adelstitel ,von Helmut zu Helmut'. Das ist, wie eine Beziehung mit Becker und Beckenbauer kinderlos überstehen und gleichzeitig Kindergeld kassieren wie Ursula von der Leyen.»

Tatsächlich schaffte es Jürgen Beckers sogar, Ritter Hunold ohne Schleichwerbung anzukündigen: «Ich hab´ seine Frau und ihn nach ihren Lieblingsstädten gefragt. Geantwortet hat sie Deutschland und er Berlin.» Beckers Fazit auf Englisch-Platt: «We are frecking for happiness.» Frei übersetzt: «Wir gehen kaputt vor Glück.»

Und das war keineswegs übertrieben. Denn auch Guido Westerwelles herausragende Rede wurde vom Publikum mit stehenden Ovationen goutiert. Der FDP-Chef spielte gekonnt mit seinem privaten Image und betonte immer wieder, dass seine Vorliebe nicht unbedingt den Frauen gilt: «Ich bin bei der Fürstin der Freund des Hauses - nicht der Hausfreund.»

Die große Koalition sei für ihn mehr eine «schlagende Verbindung», und Lafontaine habe ihm auf die Frage, ob er für Leistung sei, geantwortet: «Ja! Wo kann ich die beantragen?» Auch verdeutlichte der bestens aufgelegte Liberale anschaulich den Unterschied zwischen Schäuble und einem Arzt: «Beim Arzt merken Sie, wenn Sie abgehört werden.»

Gut anzusehen waren die zahlreichen Tanzeinlagen und auch die furiose Musiknummer des Damenorchesters Salome. Sogar dasÊ englische Thronfolgerpaar Camilla und Prinz Charles alias Holger Paetz und Uli Bauer gab sich die Ehre, um der Fürstin - etwas verwirrt und verrückt, aber zum Brüllen komisch - seine Glückwünsche auszusprechen.

Gefeierter Höhepunkt war schließlich der atemberaubende Auftritt der als Märchenprinzessin ausstaffierten Gloria. Die erst vierte Frau unter den 58 Ordensträgern bestach durch Selbstironie und Natürlichkeit. Zwei Eigenschaften, die dem Moderator des Abends, AKV-Präsident Horst Wollgarten, nicht unbedingt gegeben sind.

Seine Leistung, den AKV wieder auf den richtigen Kurs gebracht zu haben, kann nicht hoch genug bewertet werden. Das heißt aber nicht automatisch, dass er auch der geeignete Moderator für eine derartige Veranstaltung ist. Noch fehlen ihm Charisma, Sprachwitz und Spontanität. Mit schnarrender Stimme verpatzte der erstmals im Rampenlicht stehende 57-Jährige immer wieder seine Einsätze.

Diesmal wird es ihm noch verziehen. Denn seine Ausrutscher taten dem mit viel Witz, Tempo und Gefühl gestaltetem Programm keinerlei Abbruch. Der kurzweilige Abend war allerbeste Werbung für Aachen.

Zurück