Der Superstar heißt Mario

Montag, 09.02.2009

Aachen. "Ganz Deutschland sucht den Superstar. Wir haben ihn: Mario Adorf." Jürgen Linden ist nicht gerade bekannt für Übertreibungen. Und diese Worte des Aachener Oberbürgermeisters (OB) am Samstagabend waren auch keine. Denn der 59. Ordensritter "Wider den tierischen Ernst" war tatsächlich der absolute Star des Abends. Vom furison Auftakt als "Funiculí, Funiculá"-schmetternder Tenor bis zu seiner Ritterrede (Artikel unten) in einer echten Bütt zog Adorf die 1500 Jecken im ausverkauften Eurogress vollkommen in seinen Bann.

Mit dem bekannten deutschen Schauspieler und seiner Vorgängerin Gloria Fürstin von Thurn und Taxis, die in diesem Jahr die Laudatio auf Adorf hielt, hat der ­Aachener Karnevalsverein (AKV) seinen Orden, der für "Humor und Menschlichkeit in Amt und Beruf" vergeben wird, offenbar wieder auf Kurs gebracht. Schließlich hatten Ritter wie Friedrich Merz, der 2006 seine Rede größtenteils abschrieb, um ein Jahr darauf in der Laudatio auf den - einigermaßen humorlosen - Ritter Joachim Hunold dessen Fluglinie zehn Mal zu erwähnen, die AKV-Auszeichnung erstens in Verruf und zweitens ins TV-Quotentief gebracht.

Ob Adorf die Sitzung dort wieder herausholt, wird sich am heutigen Montag erweisen, wenn die ARD eine um rund 90 Minuten gekürzte Fassung der mehr als dreistündigen Sitzung ausstrahlen wird. Gelingt ihm das, dann dürfte auch der auslaufende Fernsehvertrag des AKV mit dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) verlängert werden.

Doch diese Bürde muss der 59. Ordensritter nicht alleine tragen, denn die Regisseure der Sitzung, Uwe Brandt, Ulf Dietrich und Stefan Fuchs, hatten um die Ordensverleihung herum ein starkes Programm mit vielen Höhen und nur wenigen Schwächen zusammengestellt.

Schauplatz des Geschehens war eine typisch italienische Piazza, in die der AKV die Bühne des Eurogress verwandelt hatte. Doch die "italienische Nacht", die AKV-Präsident und Moderator Horst Wollgarten ausgerufen hatte, blieb - ähnlich wie der Ordensritter als unehelicher Sohn einer Deutschen und eines Italieners - nur halbitalienisch. Denn außer dem schmucken Bühnenbild, den netten Kostümen und einigen Gesangseinlagen hatte die Nacht eher mit "Os Oche" als mit "Bella Italia" zu tun.
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Und das war auch gut so, denn die Stärken des Programms lagen eindeutig im Öcher Teil mit dem gewohnt starken Jürgen Beckers ("Lecko mio amoka"), den flotten Mundart-Liedern der
"4 Amigos", den verrückten Wortverdrehungen von Josef, Jupp und Jüppchen ("Mir hamse die Artillerie freigelegt") sowie Dirk von Pezold in seiner Paraderolle als Lennet Kann.
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Außerdem glänzte Aachens OB Jürgen Linden als Bühnenstar. Mit einigen Seitenhieben auf den übertragenden WDR und jeder Menge Selbstironie ("Mario Adorf ist ein Opfer seiner Schönheit - genau wie ich!") führte er den neuen Ritter in die Welt des Öcher Platt ein, "auch wenn er damals Winnetous Schwester, die schöne Nscho-tschi, erschossen hat", erinnerte Linden an Adorfs Schurkenrolle in dem Karl-May-Klassiker. "Aber Schlamm drüber."

Den hätte man besser auch über den Auftritt des Postboten Wolfgang Krebs gegossen, der trotz netter Stimmenimitationen den schwächsten Auftritt bot. Leider konnte auch Gloria Fürstin von Thurn und Taxis mit ihrer Laudatio auf den neuen Ritter nicht das Niveau halten, das sie vor einem Jahr mit ihrer furiosen Ritterinnenrede selbst vorgegeben hatte.

Für Mario Adorf indes war dieses Niveau kein Problem. Spätestens seine Ritterrede machte ihn zum Superstar des Abends.

Holger Richter

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