Comedian mit herrlichen Geschichten aus dem Alltach in Belgien

Donnerstag, 17.09.2009

Comedian mit herrlichen Geschichten aus dem »Alltach«Von Mario Vondegracht

Eupen. Am Dienstagabend gastierte auf Einladung des Kulturellen Komitees der Stadt Eupen der über die Grenzen hinweg bekannte Kabarettist Jürgen Beckers im Eupener Jünglingshaus und brillierte.
Der unter seinem Pseudonym Jürgen B. Hausmann auftretende Kabarettist kommt aus der Alsdorfer Gegend und unterrichtet eigentlich Latein, Griechisch und Geschichte in einer Schule in Würselen. Seit 1999 tourt er mit seinem Musiker Harald Claßen durch die Veranstaltungssäle der Euregio. Von Anfang an dabei war auch sein Solo-Programm »Hausmannskost«, das er jedoch stets weiter ausbaute und veränderte. Das Programm, das Becker auch am Dienstagabend in Eupen darbot, besteht aus einer Folge ulkiger Alltagssituationen, immer in Verbindung mit regionalem Wortwitz.

Auch in Ostbelgien gebräuchlich
Den Slang, den Beckers beispiellos rüberbringt, versteht man hierzulande genauso gut wie in der Aachener Gegend. Diese eigentümlichen Sprachkonstrukte, von denen sich in Ostbelgien auch niemand freisprechen kann, benutzt Beckers als Grundlage für seine diversen Kabarett-Programme. Begriffe wie »de Mull«, »ne Ettewi« oder »Vrecken« sind auch den Ostbelgiern bekannt.
Pünktlich auf die Minute begann Beckers seine neukonzipierte Show. Auf die Bühne begleitete ihn Claßen, der sich im Laufe des Abends vornehmlich zurückhielt. Die Bühnendekoration war schlicht. Ein Hocker und das Keyboard von Claßen sollten reichen, damit die rund 300 Besucher an diesem Abend voll auf ihre Kosten kamen. Das vorwiegend ältere Publikum lachte sich zweieinhalb Stunden regelrecht schlapp. Der »regionale Sprachpoet« Beckers thematisierte die »Schweinegripp«, genauso wie einen Zahnarzttermin, den Besuch eines Brillengeschäftes oder den Wellness-Wahn (»Isch tu ens watt für misch!«). Auch die Politik bekam ihr Fett weg. Dass Fiat sich für den angeschlagenen Automobilhersteller Opel interessiert habe, wäre so gewesen, als ob man eine junge Tochter hätte und Silvio Berlusconi als Retter einspringen würde. Wenn man die Erfolgsaussichten einer Politikerin an ihrem Sexappeal bemesse, säße Angela Merkel im Gemeinderat Richterich. Auch der Grenz-Echo-Mitarbeiter musste dran glauben, als er es wagte, aufzustehen, um mehrere Fotos zu schießen.
Zwischendurch bekannte der Hausmann sich zum Humor unserer Gegend, der mit der Einstellung der hiesigen Menschen, nicht immer alles so ernst zu nehmen, einhergehe. Man erkennt bei Beckers Witzen aber auch eine gehörige Spur Zynismus.
In seinen herrlichen Geschichten widmet er sich den ganz normalen Menschen unserer Gegend und deren Begebenheiten. Es geht sogar so weit, dass sich jeder im Publikum mindestens einmal in einer Szene wiedererkennt oder dass sich diese Geschichte in seinem Bekannten- oder Verwandtenkreis abgespielt hat.

Bekannte Melodien mit neuem Text
Doch auch der musikalische Aspekt der Show, der im zweiten Teil deutlich ausgeprägter als im Ersten zur Geltung kam, ließ nichts zu wünschen übrig. Während Claßen Beckers auf dem Keyboard begleitete, schmetterte der Hausmann einige Evergreens von der Bühne, natürlich vollkommen umgedichtet. Aus dem Howard-Carpendale-Song »Ti Amo« dichtete er »Piano, ich muss aufs Klo«; aus »Sie liebt den DJ« wurde »Sie liebt den Briefträger«. Eine Ode an die Spülmaschine sang er in einer abgewandelten »Merci, dass es dich gibt«-Version. Ein Horrorszenario entwickelte der Alsdorfer mit seinem neuen Text für den Klassiker »Die kleine Kneipe in unserer Straße«. Grüntee, Salbeibretzeln und Apothekenumschau seien die Zukunft, wenn das mit dem Rauchverbot so weitergehe. Beckers überraschte bei den vielen Liedern mit Sicherheit den einen oder anderen mit seinen weniger bekannten Gesangskünsten.

Am Dienstagabend servierte der Hausmann Jürgen Beckers witzige Alltagsgeschichten, die er in seiner unkopierbaren Art so verpackte, dass auch das Eupener Publikum im Jünglingshaus gleich zwei Zugaben forderte, ehe es Beckers Richtung Heimat ziehen ließ.

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